Stücke

(c) Peter Lessmann

Poesie und Empörung


Der französische Diplomat Stéphane Hessel (1917–2013) hat eine ungewöhnliche Autobiographie verfasst: Er stellt sein Leben, das 20. Jahrhundert durchmessend, im Spiegel von Gedichten dar, die er im Laufe der Zeit auswendig gelernt hat. Das sehr persönliche Buch enthält 88 Gedichte in den drei »Muttersprachen« dieses überzeugten Europäers: aus der französischen, der englischen und der deutschen Literatur – (Villon, Shakespeare, Hölderlin, Baudelaire, Rilke u.a.).

„Ô ma mémoire. Gedichte, die mir unentbehrlich sind“ (2010)

Das Buch ist Grundlage für das spartenübergreifende Forschungsprojekt (Schauspiel; Tanz; bildende Kunst; Musik) einer intergenerativen Gruppe (8 Personen, 20J. - 80J.). Junge Menschen, die in einer kritischen Auseinandersetzung mit den bestehenden gesellschaftlichen Verhältnissen stehen (Finanzkrise, Occupy movement) bis zu älteren Menschen, die die Veränderungen des letzten Jahrhunderts als Zeitzeugen miterlebt haben untersuchen die gesellschaftlichen Veränderungen in der Dialektik von Politik und Poesie vor dem Hintergrund von Stephane Hessels Leben.

Im künstlerischen Arbeitsprozess wird sich unter Einbeziehung der speziellen Lebenserfahrungen der Einzelnen ein kaleidoskopartiges Geflecht des Lebens Hessels entwickeln (Interviews, Performances zu einzelnen Gedichten, zur Lebensgeschichte, Choreografien). Als Ergebnis wird der Mensch Hessel als ein Modell der Verknüpfung von Poesie und politischem Handeln, von lyrischer Kontemplation und gesellschaftlicher Aktion vorgestellt. Kunst in Zusammenhang mit Politik wird hier nicht als Mittel der Agitation, sondern als nährender Kraftquell für politisches Engagement herausgestellt.

Im Arbeitsprozess werden die Künstler der verschiedenen Sparten das Spannungsfeld von klassischem Gedicht versus politischem Handeln ausloten. Auf der Bühne durchdringen sich Poesie und Empörung. Die persönlichen Erfahrung der Aktuere, ihr Umgang mit Empörung,  ihre Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Problemfeldern wird neben die Lebensgeschichte Hessels gestellt, die ihn am Ende seines Lebens zum Verfassen der Schrift „Empört Euch“ geführt hat.

 

Regie: Manfred Kerklau
Choreographie: Annelise Soglio (I)
Akteure: Jan Enste, Bernhard Heinrich, Katrin Heinrich,Nele Koops, Andreas Ladwig, Denis Neumann, Christa Reissmann, Linda Simm,
Bühnenbild: Hans Salomon
Kostüme: Bettina Zumdick    

Tür auf Tür zu

 

Alles lief perfekt.

Doch plötzlich ist sie zu.
Die Tür, durch die Anneliz täglich ein- und ausging, ist verschlossen. Anneliz ist ausgesperrt und hat keine Ahnung, warum. Warum darf der und der und der rein und sie nicht? Auf der Suche nach einer Erklärung beginnt für die Frau eine Achterbahnfahrt aus Panik, Wut und Selbstzweifel. Mit Anneliz, einer sprechenden Tür und einem Chor, der auf eine Person zusammengespart wurde, erzählt Ingrid Lausund ein Drama vom Drinsein, Draußensein, Dabeiseinwollen.
Ein abgründiges und aberwitziges Spiel über die Willkür des Ausgeschlossenseins.
„So gesehen ist drinnen draußen.“

 

 

Es spielen: Alexandra Brink, Claudia Löffler, Thomas Löhr, Karsten Ritter, Linda Simm, Marita Stricker
Regie: Annette Knuf
Assistenz: Florian Dammeyer,
Bühne: Henri Alain Unsenos

 

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